Rotbuchen


Es gibt kaum ein zarteres Grün, als die im Frühling aus spitzigen Knospen sich hervor schiebenden hellgrünen, lichtdurchlässigen Blätter der Rotbuchen. Zunächst nur hier und da verstreut hervor leuchtend - wie hingetupft - erscheinen die Blättchen zunächst in waagerechten Reihen zwischen den silbrig blauen Stämmen. Ein kurze Weile – zur Maikäferzeit – bleibt der Buchenwald licht und hell.

Doch so zart und rücksichtsvoll ist die Buche nicht im Zusammenspiel mit den übrigen Gehölzen. Sie ist ein Schattenbaum. An ihren filigran verzweigten Ästen bildet sich im Laufe des Frühjahrs eine solche Blattmasse aus, dass es nur wenigen Pflanzen gelingt, in dem zunehmenden Dämmerdunkel eines Buchenwaldes ihr Dasein zu fristen. Sie müssen sich beeilen, zur Blüte zu kommen.

In unserem Park sind es vor allem die weißen Buschwindröschen, die blauen Veilchen, das leuchtend goldgelb blühende Schabockskraut und die gelbgrünen Wald-Goldsterne, die große Blütenteppiche unter den hohen Parkbäumen bilden.

Die Buche braucht das Dämmerdunkel für ihr flach unter der Oberfläche ausgebreitetes Wurzelwerk und die glatte, dünne Rinde.

In diese glatte Rinde lassen sich Zeichen einritzen, die über Jahre gut erkennbar bleiben. Es ist überliefert, dass die Germanen ihre Runenzeichen in besondere Holzstäbe schnitten – eben in Buchenstäbe – wovon das Wort Buchstabe herrührt.

Seit diesen alten Zeiten ist man diesem Brauch treu geblieben. Im Muskauer Park kann man in allen Parkteilen aber auch alte Buchen finden, in die vor mehr als 60 Jahren nicht nur viele Zeichen, Monogramme und Daten in lateinischen sondern auch in kyrillischen Buchstaben eingeritzt wurden. Sie sind eine Art Zeitzeugen an die schrecklichen Kriegstage von 1945, als die Soldaten der Rote Armee den Park durchstreiften, ihre Zeichen in die Bäume schnitten und sich auf diese Weise „verewigten“.

Aus meiner Kindheit sind mir noch Nachkriegsjahre mit einer wunder-reichen Bucheckern-Schwemme in Erinnerung geblieben. In einer Zeit, wo es kaum etwas zu essen gab, bescherte uns die Natur so viele dieser ölhaltigen Nüsschen, dass wir Kinder die Bucheckern Sack-weise sammelten.

Die Bucheckern wurden zur Mühle gebracht, wo gesundes und nahrhaftes Öl daraus gepresst wurde. Bucheckern konnten auch geröstet und in den Kuchen als Mandel-Ersatz gegeben werden.

So mancher Sturm hat schon diesen oder jenen Baumriesen aus der Bahn geworfen - entwurzelt, im wahrsten Sinne des Wortes.

 

 

 

 

 

 

 

   
 
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Stand: 21-Feb-2012